Werdegang der 4./ 137

St. Johann i/Pg.    
 

Soldat Max Adelsberger von 1938 - 1945

Der Jahrgang 1917

2. Geb. Div.

Max Adelsberger Ungarn 1939


wurde im Jahr 1938 zweimal zur Musterung aufgerufen. Im März musterte das Österr. Militär und im August war die Musterung unter deutschem Kommando.
Der Unterschied war deutlich zu erkennen, beim Einem waren ca 25% als untauglich ausgeschieden, unter deutschem Kommando nur schwache 5%. Am l. Oktober 1938 sollte die Einrückung sein, sie wurde aber bis l. Dezember verschoben. Der Grund war, daß nicht genügend Unterkünfte zur Verfügung standen und sich durch den Einmarsch in den Sudetengau die Ereignisse überstürzten. Das l Bataillon 137 hat am 2 Dez. 1938 in der Hellbrunner Kaserne Quartier bezogen, dem Kasernengebäude standen weiters 14 Barracken zur Verfügung.

 
Dritter von links sitzend Soldat Max Adelsberger

Das Bat. führte der Bat. Komm. Oberstleutnant Huch. Die Komp. Führer waren: Lt. Seiler , Hptm. Frank, Hptm. Fuschelberger, Hptm. Hofbauer und Hptm. Stute. Der 4. Komp. war dem Hptm. Hofbauer, Lt. Neuschier zugeteilt.

Das Ausbildungskader war ziemlich gemischt, die Zugführer Kompaniechef waren die meisten vom österreichischen Militär, gefolgt von Ausbildnern aus dem deutschen Kader, überwiegend kommandierten uns Sachsen und Preußen vom Oberschützen bis zum Feldwebel. Wer kennt sie nicht die Namen der gefürchteten Ausbildner? z.B. Appi, Lessow, Schön oder Schulz, Wiedmann bzw. Armsdorfer und Wieser oder Backofen und Schrapp.
Der Kasernendrill dauerte eine Woche und am 8. Dezember war bereits die Vereidigung am Residenzplatz. Zu Weihnachten gab es den l. Urlaub und danach die Aufteilung zu den Spezialeinheiten. Es gab einen IG - Zug, 3 Granatwerfer Züge, die Nachrichtenstaffel, den Komp. Trupp und den Wirtschaftszweig mit der Pferdestaffel und den Troßfahrzeugen.

Nach dem Ausfassen der Karabiner gab es Schießübungen am Schießplatz in Fürstenbrunn, einige Gewalt Märsche und Geländeübungen. Mitte März durften ca. 30 Mann, geübte Schifahrer, zu einem Schilager nach Mühlbach am Hochkönig fahren, jedoch nach 5 Tagen Aufenthalt wurden wir wieder in die Kaserne einberufen. In wenigen Tagen mußten wir uns marschfertig machen, denn man hatte mit der Besetzung der Tschechoslowakei begonnen. Am 28. März um 21 Uhr marschierten wir mit Troß und Wagen zum Salzburger Lastenbahnhof und bewegten uns dann in Richtung Tschechoslowakei.
In ungarisch Hradisch bezogen wir die großzügig ausgebauten Kasernen, in denen das ganze Bataillon platz hatte. Unsere erste Beschäftigung war, die Tsch. Waffen und Geschütze in Waggons zu verladen, die dann in Richtung Heimat abtransportiert wurden. In Ungarisch Hradisch fühlten wir uns bald sehr wohl, denn durch die Geldabwertung konnten wir mit der Krone großzügig umgehen. Mit der Bevölkerung sind wir als Österreicher gut zurecht gekommen und beteiligten uns auch bei Festlichkeiten. Mit Busfahrten und Taxi Ausflügen lernten wir das Land kennen. Die militärische Ausbildung war etwas eingeschränkt und wir befaßten uns mit viel Sport. Wir erlebten dort wohl eine unserer schönsten Zeiten. Im August wurde ein Manöver angesagt und wir wurden zu einer Fahrt nach Preßburg einwaggoniert. Wir bezogen ein Lager am Truppen Übungsplatz Torezci und verbrachten dort 4 Tage mit Geländeübungen. Zurück mußten wir maschieren und wurden dann in Ungarisch Hradisch von unserer Militärkapelle in Empfang genommen.

Dann begannen unruhige Zeiten. Von den Tschechen gab es Terrorakte, die es erforderlich machten Brücken und militär. Anlagen strenger zu bewachen. Plötzlich bekamen wir Verstärkung, Reservisten aus dem l. Weltkrieg sind in die alte Stadtkaserne eingezogen und haben unsere Überwachungsaufgaben übernommen. Bald darauf erlebten wir in der Kaserne den l. September an dem es hieß "und ab 4 Uhr 45 wird zurückgeschossen ." Der Krieg hat für uns begonnen. Nach einigen Tagen gab es Marsch Befehl. Die Fahrt ging über Poprad nach Käsmarek, von dort gab es einen Gewaltmarsch bis tief in die Nacht hinein zum Badeort Bartok, nahe der poln. Grenze. Den Nächsten Tag ging es über die polnische Grenze und wir durchschritten das Kampfgelände, welches die Voraustruppen uns überlassen hatten. Tote Polaken die noch herumlagen, ließen uns den Schrecken des Krieges erahnen, doch der Gefechtslärm lag noch in weiter Ferne. In Krosno sahen wir aufgewühlte Bombentrichter, zerbombte Flugzeuge lagen herum, zum marschieren öffnete sich ein weites Land, vorbei an Öltürmen und Dörfer, bis wir den San erreichten. In ULUC hieß es halt.

Die Jägerkomp. die uns vorauseilten erhielten einen Feuer Überfall von versprengten pol. Truppen und es gab die ersten Verluste. Hptm. Frank von der 2. Komp. und drei weitere Jäger sind gefallen. Ausfälle gab es auch durch Ruhr Erkrankungen, an denen auch einige starben. Viele waren den Strapazen nicht gewachsen und mußten wegen Fußerkrankungen ins Lazarett. Im Weitermarsch passierten wir die Städte RUDKI und KOMARNO und haben dann die Voraustruppen in Lemberg eingeholt.Dort hieß es plötzlich der Krieg ist aus. Wir begegneten dort den Russen und legten die Waffen nieder.

Durch diplomatisches verhandeln mit den Russen, zog man durch Polen eine Demarkationslinie und wir marschierten friedlich wieder hinter den SAN zurück. In Ostrow bei Przcemyl übernahmen wir am SAN die Grenzwache, wo wir den Russen gegenüber lagen. Die Russen haben die Flüchtenden beschossen, bei uns wurden sie in Schutz genommen. Bei Ostrow wo wir eine Zeit in Quartier lagen, hatten wir Gelegenheit die Bunkerlinie aus dem l. Weltkrieg zu besichtigen. Wir konnten dort auch von einigen Annehmlichkeiten der Stadt Gebrauch machen es gab ein Dampfbad.

Mitte Oktober erging an uns wieder ein Marschbefehl. In der Nacht formierten sich die Einheiten zu einem Schweigemarsch. Unser Ziel war Krakau. Dort angekommen bestiegen wir wieder die bereitgestellten Waggons und rätselten wo wird die Reise hingehen? Wir verfolgten bei der Fahrt aufmerksam die passierenden Bahnhöfe und lasen u.a. Praha Karlsbad dann Nürnberg, dort wurden wir uns der Richtungsänderung bewußt und merkten endlich, daß es nach dem Westen ging . Weiter über Frankfurt und Koblenz landeten wir im Städtchen Kochern a/Mosel. Wir marschierten am gleichen Tag weiter nach Mesenich, wo wir alle Privatquartiere bezogen haben.

Bei der Bevölkerung fühlten wir uns gut aufgehoben und wurden am nächsten Tag gleich an die Weinbauern zugeteilt. Es war ja gerade die Zeit der Weinlese. Nach 14 Tagen mußten wir den Weinort wieder verlassen. Der Marsch ging über Kochern nach Gampen und landeten schließlich in Mertloch. Dort war es uns gegönnt wieder für längere Zeit ein Quartier zu beziehen. In diesem Zeitraum gab es einen Wechsel in der Führungsetage. Unser Hptm. Hofbauer wurde von Hptm.Röhr abeglöst, dem Reg. Korn. Schlemmer folgte Oberst Hengi und als Battl. Köm. wurde uns Mayor Fuschlberger vorgesetzt.
In der Mannschaft kam der erste Nachersatz. In Mertloch hatte man auch Gelegenheit die Kameradschaft zu pflegen und mit den Quartierleuten Kontakte zu schließen, sowie die Gegend kennen zu lernen . In der Komp. selbst kam es zu Beförderungen; nur wenige haben den Dienstgrad Gefreiter erreicht. Der Spieß Hpt. Feldw. Walbert, der die Beförderung vorlas vermerkte bei den meisten hat es nur zu einem Oberschützen gereicht, weil sie zu faul oder zu blöd waren. Das tat unseren alten Kriegern keinen Abbruch und sind mit dem Oberschützen - Stern in den Urlaub gefahren.

Für uns ging der Marsch Richtung Mosjoen weiter und in Grane hat die 4. Komp. wieder für eine Zeit Quartier bezogen. Es gab wieder eine Zeit der Entspannung und Erholung. Entlausung in Mosjoen und Staffelappelle wegen Einbruch in privaten Jagdhütten mußten wir über uns ergehen lassen. Auch Versetzungen und Neu Zugänge waren in dieser Zeit zu vermerken. Unser Spieß Walbert wurde z.B. vom Hpt. Feldw. Appel abgelöst. Dann ging es wieder per Schiff entlang der Fjorde nordwärts über Narvik und Tromsö in den Alta Fjord. In Eibi hatten wir uns wieder für eine längere Zeit in Privat-Quartieren niedergelassen.

Fern von kriegerischen Einflüssen gab es eine große Umstrucktuierung innerhalb des Battaillions. Infanterie Geschütz und die Granatwerfer Einheiten wechselten zu den Jägerkompanien und die SMG Einheiten wurden bei der 4. Komp. zusammengezogen. Gute Freundschaften gingen dabei verloren, aber auch neue wurden wieder geknüpft. Die Nachrichten Staffel und die Wirtschaftsteile mit dem Troß sind bei der Komp. geblieben.

Nach dem Umzug in die Baracken von Övre Alta wurden die Sitten wieder etwas strenger. In der Staffel bekamen wir Verstärkung von Nachrichten Männern aus der 5. Komp. und die Führungskräfte wie Lt. Neuschier und Lt. Söding, dann nach einigen Wochen auch Hptm. Röhr, haben uns verlassen. Anfang April begannen wir wieder mit der Einschiffung und es ging nach Hammerfest, Umschifften dann den Nordpol und landeten vorübergehend im Porsanger Fjord, nahe Nyborgmöen. Von dort überschifften wir den Varanger Fjord nach Kirkenes, bis wir wieder zu Fuß in den neuen Baracken von Swanvik landeten.
Dort ist allmählich wieder kriegerische Stimmung aufgekommen. Es gab Manöver; an uns wurden neue Karabiner ausgefolgt. Um Mitternacht (bei Nordlicht) mußten wir die 98 K neu einschießen und uns damit vertraut machen. Am nächsten Morgen war es dann soweit: man hatte Rußland den Krieg erklärt. Wir marschierten bei Elvenes über die finnische Grenze und gingen bei Parkina an die russische Front.
Zum Auftakt kamen die Stuka Flieger und es gab ein beschauliches Luftmanöver, das uns im Kampfgeist zuversichtlich machen sollte. In der Nacht schlichen wir uns an die Kampflinie heran und bei Morgengrauen am 28. Juni hatte das Geknatter bereits begonnen.

Bei den Russen kamen bald die schweren Geschütze zum Einsatz und man mußte geschickt taktieren. Die Pioniere leisteten gute Vorarbeit und die Jägereinheiten konnten rasch an Boden gewinnen. Heckenschützen lauerten auf allen Seiten und den ersten Toten gab es gleich in unseren Reihen. Aus meinem Funktrupp haben wir den Fillafer Hermann verloren. Schließlich wurde die Bunkerlinie überrannt und das Titowalager war bald eingenommen.

Die erste Nacht verbrachten wir am Brückenkopf der Titowa. Die Sprengvorrichtung der Russen konnte von den Pionieren rechtzeitig entfernt werden und die Stukas brachten den Russen bei Ihrem Rückzug schwere Verluste bei, so erreichten wir am 2. Tag schon das Gelände am Herzberg. Auf dem Vormarsch hatten uns die Führungskräfte eingeholt, es waren dies: Gen. Dieti und Oberst Hengi, die uns ermutigten, daß wir in 8 Tagen bereits in Murmansk sein werden.
Während wir am Herzberg biwakierten hatten Spähtrupps das Gelände um den Lizza Fjord erkundet, die verwickelten sich in starke Kämpfe. Die Brücke konnte von den Pionieren gesichert werden und es ging in breiter Front, dem Feind entgegen. In wenigen Stunden begann schon das Chaos. Vor erreichen der zweiten Lizza-Brücke konnte man in der Ferne den Aufmarsch russischer Truppen erkennen und unsere vordersten Einheiten waren bald überrannt.

Man hoffte wieder auf die Stukas doch die kamen nicht und es begann ein Rückzug mit verhörenden Folgen. Alle versuchten, sich wieder hinter den Lizza-Brückenkopf zu retten. Nach drei Tagen stellte man an der Sammelstelle fest, daß das Battl. fast bis zur Hälfte geschrumpft ist. Major Ruf hatte unseren Batl. Fuschlberger abgelöst und Hptm. Gottwald übernahm die 4. Komp. Im Oktober erfolgte die Frontablöse durch die 6. Div. und die Einheit hatte Gelegenheit in Neiden sich für 2 Monate zu regenerieren.
Die Lücken in der Mannschaft wurden durch Nachersatz wieder aufgefüllt. Hptm. Gottwald nützte die Zeit durch Gesellschaftsspiele, Kompaniefeiern und Beförderungen, die Kameradschaft zu pflegen und auch eine schöne Weihnachtsfeier zu gestalten. Zum Jahreswechesi 1941/42 kam überraschend ein neuer Einsatzbefehl. Wir mußten am Fischerhals eine Infantrie Einheit ablösen.

Die Jägereinheit des l. Batl. übernahm die hartumkämpften Stellungen am Musta Tunduri. Es folgt dann die Mai Offensive der Russen , die zum Ziel hatte, die Versorgungsstrasse zu den Fronten abzuschneiden.
Die Angriffe wurden abgewehrt, unser Einsatz erstreckte sich durch Gewaltmärsche über freies Gelände bis zum Katschberg, dabei gab es viele Ausfälle durch Schneeblindheit. Nachdem sich die Fronten beruhigten, erholten wir uns wieder in Neiden, bis es dann im August wieder an die Front ging.

Die 2. Div. löste die 6. Div. ab. Die 4. Komp. übernahm die Stellungen an der Zwingerkuppe. Hptm. Dapra hat unseren Komp. Chef Gottwald abgelöst. Als Leutnante und Zugführer waren JESCH und Scheinecker eine Zeitlang bei uns im Einsatz. Die Zwingerkuppe war über ein Jahr lang unser Schicksalsberg, der trotz aller Angriffe der Russen, gehalten werden konnte. In dieser Zeit gab es Versetzungen und Neu Zugänge. Man mußte sich von vielen alten Kameraden trennen. Sie kamen zu neu aufgestellten Truppen, in denen sie ihre Kampferfahrung einbringen mußten. Auch Pföß Walter und ich haben zu diesem Zeitpunkt die Stammeinheit verlassen, waren aber im Regiment 137 geblieben. Alle diejenigen, die bis zum Verfall der 4. Komp.die alte Kameradschaft noch zusammen hielt, erlebten dann die Kämpfe am Zucker Hütl und im Isarlager, sowie die Absetzung von der russischen Front und als letztes den Einsatz im ELSASS.

Durch meine Position als Rechnungsführer in einer Nachschubeinheit war es mir möglich , ab und zu der 4. Komp. einen Besuch abzustatten. Das letztemal war es im Raum - KOLMAR, dort konnte ich in einem Gutshof die Kommandostelle ausfindig machen Eine kleine Gruppe bewohnte dort feudale Räumlichkeiten und fristeten als Vertreter der 4. Komp. ihr Dasein. Es waren dies der Spieß: Lessow-Vertreter Näckler, der Rechnungsführer Walzl und als Manager der Scharf Ernstl. Sie alle hatten kaum noch Kontakte zu derKampfeinheit und beim Einsatz in JEBSHEIM war das Ende der 4. Komp. besiegelt.

Nach dem Krieg hatten wir bald wieder Kontakte zu den Kameraden aufgenommen und es gelang uns schon 1949 im Kreis der ehemaligen Na.Staffel ein Treffen zu organisieren. Wir trafen uns damals in PÖHAM beim Huttegger Fritz. Es waren ca. 20 Mann. Dann kam eine lange Pause!

Unser Kamerad Hohmann Hans der bei den Aschauer's im Jahr 1972 in Scheffall sein Urlaubs Domizil aufmachte, hat es dann zuwege gebracht, die Suche nach weiteren Kameraden auszubauen und durch schriftliche Einladungen, sie zum l. Treffen in Scheffau einzuberufen. Erfreulich konnte sich die Zahl von Jahr zu Jahr steigern. Im Laufe der Jahre es sind inzwischen schon mehr als 25 Jahre vergangen, sind wir nun wieder auf ein kleines Häuflein zusammengeschrumpft. Solange uns aber die Gesundheit, Mut und Kraft noch erhalten bleibt, wollen wir gerne an unserer Kameradschaft festhalten und hoffen, so Gott will, daß uns noch einige Jahre des Wiedersehens gegönnt sein mögen.

Kamerad
Max Adelsberger

Die Stationen von Max Adelsberger